Kindesmissbrauch offenbar gemacht: Der Fotograf und Maler Laurent Ziegler spricht darüber, woran er heute, auf dem Hintergrund seiner aufgearbeiteten Traumata, glaubt.

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Laurent Ziegler über seinen Glauben

Logos – Glauben und Zweifeln
„Was glauben Sie?“ Der Fotograf und Maler darüber, woran er heute, auf dem Hintergrund seiner aufgearbeiteten Traumata, glaubt.

Gestaltung: Johannes Kaup
Die Lebensgeschichte, die der Wiener Fotograf und Maler Laurent Ziegler zu erzählen hat, klingt, als wäre sie einem fiktionalen Horror-Film entsprungen. Aber leider ist sie wahr. Schon als Kleinkind gerät er in die Fänge pädosexueller Gewalttäter, die im Rahmen okkulter satanistischer Riten ihn und andere Kinder auf unbeschreibliche Weise missbrauchen und quälen. Die Traumata, die er durch die rituellen Gewalterfahrungen über zehn Jahre lang wiederholt erlitten hat, verfolgen ihn die nächsten drei Jahrzehnte. Doch um funktionieren zu können, spaltet er die Erinnerungen daran von sich ab. Ein paar Jahre scheint das auch zu funktionieren.

Ziegler schreibt erfolgreich als Journalist bei einer großen Tageszeitung, arbeitet bei der EU in Brüssel und entschließt sich, eine Ausbildung zum Tanzpädagogen zu machen, eine Tätigkeit, die ihn zehn Jahre lang erfüllt. Doch immer wieder merkt er schmerzlich, wie ihm sein Leben und seine Beziehungen zunehmend entgleiten. Eines Tages wird es ihm zu viel. Er entschließt sich, die dunklen Stellen seiner Kindheitsgeschichte mit therapeutischer Hilfestellung konsequent durchzuarbeiten. Er beginnt, Tagebuch zu schreiben und symbolisierte Bilder über seine Erinnerungen zu malen. Daraus entsteht der reich bebilderte Band „Die Erinnerung an meine Kindheit“ (Verlag für Moderne Kunst 2020). Nicht nur der von Ziegler erfahrene Horror wird darin überdeutlich, sondern auch sein unbändiger Drang, sich zu befreien von der Last des Gewesenen.
Dabei ist die Biografie des Autors keineswegs ein Einzelfall, wie er durch die Kontakte bei Behörden und Hilfsnetzwerken erfährt. Zieglers Anliegen ist es, „das Maß an Verletzung – durch Missbrauch und insbesondere durch rituelle Gewalt – in unserer Gesellschaft aufzuzeigen“. Er will, dass aus einem kollektiven Schweigen ein offener Dialog wird. Das Nachwort zu seinem Buch hat der renommierte UN-Kinderrechtsexperte Manfred Novak geschrieben, der mit dieser Geschichte vertraut ist.
Die Biografie Zieglers ist als eine Geschichte über seine Transformation und Heilung angelegt. Sie beschreibt seinen Weg zu einem lebenswerten Daseinkönnen. Zuletzt ist es seine spirituelle Lebenshaltung, die ihn, wie er erzählt, „heute zu einem Menschen gemacht hat, der trotz des Schrecklichen ein dankbares Leben führen kann“.
Johannes Kaup hat Laurent Ziegler auf dem Hintergrund der aufgearbeiteten Traumata gefragt, was er erlebt hat und woran er heute glaubt.

Buch, Laurent Ziegler, „Die Erinnerung an meine Kindheit“, Verlag für Moderne Kunst
Ausstellung, Laurent Ziegler, „Die Erinnerung an meine Kindheit“, Malerei, Zeichnungen, Fotografien, Galerie Andrea Jünger, 1040 Wien, Paniglgasse 17a, 17.9. – 10.10.2020, Di – Fr 14.00 – 18.00, Sa 11.00 – 14.00 und nach Vereinbarung, office@galerie-juenger.at
netzwerk. Gegen sexuelle Gewalt an Mädchen, Buben und Jugendlichen
WEISSER RING. Verbrechensopferhilfe
die möwe. Kinderschutz hat einen Namen
Männerberatung

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